Die Pilzfibel


Wo wachsen Pilze

Pilze wachsen überall und zu allen Zeiten, sogar im Winter. Aber sie sind ein launisches Völkchen, und es ist nie vorherzusehen, ob und wo man bestimmte Pilzarten antrifft. Die folgenden Angaben können daher nur einige Hinweise geben, wo das Pilzsuchen besonders erfolgreich zu werden verspricht.

Pilze sind in der Regel Bewohner der Wälder. Aber wie es in jedem Wald andere Blumen, Gräser und Moose gibt, verhält es sich auch mit den Pilzen. Gut sind die Aussichten in Kiefer-, Fichten-, Buchen- und Eichenwäldern. Im Frühsommer erscheinen die Pilze zuerst an lichten Stellen und den besser durchwärmten Waldrändern. In den Nadelwäldern liegt das Hauptwachstum in den Herbstmonaten. Für alle Wälder gilt, daß bei entsprechend günstiger Witterung September und Oktober die reichsten Pilzernten liefern.


Besonders beliebt sind bei den Pilzsammlern die Nadelwälder. Junge Bestände, insbesondere an Waldrändern und Wegen, aber auch junge Aufforstungen auf ehemaligen Äckern, zeichnen sich oft durch das Vorkommen von nur einer oder wenigen Arten aus, die dort Massenbestände bilden können. Auf Sandböden gibt es an solchen Stellen Butterpilze, Kuhpilze oder Sandpilze, auf Kalkböden Schmerlinge.

Je älter die Bestände werden, um so artenreicher wird die Pilzflora. In solchen Forsten bevorzuge man gras- und kräuterarme Bestände. Dort, wo es viele Moose und Flechten gibt, rechnet man mit einem stärkeren Pilzvorkommen. Hier gibt es die beliebten Maronen, den gesuchten Pfifferling, auch Steinpilz. In älteren Kieferbeständen wachsen im Herbst auch Grünlinge und schwarzfaserige Ritterlinge. In Wäldern mit starken Rohhumuslagen von Nadeln und Blättern sucht man zweckmäßigerweise im Spätherbst. Dann wachsen dort viele Violette Ritterlinge und Graukappen.

Laubwälder weisen im Gegensatz zu Nadelwäldern eine wesentlich reichhaltigere Pilzflora auf. Anfänger finden sich dort schwer zurecht. Auch gibt es hier den gefährlichsten aller Giftpilze, den Grünen Knollenblätterpilz und eine ganze Reihe von weniger bekannten Giftpilzen.

Der Laubwaldboden ist mit seinen Kräutern, Sträuchern und Gräsern abwechslungsreicher als in entsprechenden Nadelwäldern. Dadurch ist das Auffinden der Pilze hier schwieriger. Dafür bieten sie den Vorteil, daß man dort eigentlich immer etwas findet, von Dürrperioden selbstverständlich abgesehen. Sagt der einen oder anderen Pilzart die Witterung nicht zu, so erscheinen aus der Fülle der Arten einige andere.

Sehr lohnend sind in allen Wäldern Stellen mit eingesprengten Birken und Lärchen. Unter ersteren erscheinen Birkenpilze und Rotkappen, unter Lärchen wachsen, besonders an Waldrändern und Schneisen, einige gute Röhrlinge.

An Stubben sollte ein Pilzsammler nie ungeachtsam vorübergehen. Die mit ihren Wurzeln tief im Erdreich steckenden Stubben weisen auch in Trockenzeiten noch genügend Feuchtigkeit auf, um Pilzen das Leben zu ermöglichen. Ein weiterer Vorteil ist, daß Stubbenpilze oft in großen Büscheln wachsen. Schnell hat man dann eine reichliche Mahlzeit Stockschwärmchen oder Hallimasch beisammen. Den Standort solcher Stubben prägt man sich fest ein. Bis zur Erschöffung der Nährstoffe kann man an einem solchen Stubben nähmlich jährlich Pilze ernten.

Auch die bodenbewohnenden Wald- und Wiesenpilze sind oft sehr standorttreu. Sie sind jedoch viel stärker als die Stubbenpilze vom Witterungsverlauf abhängig, und das Pilzglück ist dem Sammler nicht jedes Mal hold, wenn er sein Revier aufsucht.

nach oben